| Es passiert meistens in den grossen
Städten Duala, Jaunde, Bafoussan etc: Mord und Folter,
Vergewaltigungen, gezielte Hinrichtungen politischer Gegner
und Oppositionnellen, blutige Abrechnungen in aller Öffentlichkeit,
Bandenkriege, rituelle Morde, Menschenrechtsverletzungen,
Polizeigewalt. Alles Straffrei.
Der Journalist J.B Sipa von der Wochenzeitung
Le Messager
hat eine ernüchtende Bilanz gezogen. Kostprobe.
- Ein junger Mann wird in Jaunde aus einem vorbeifahrenden
Auto erschossen. " Von den Tätern
bis heute keine Spur. Es gab mehrere Hinrichtungen dieser
Art in Kamerun. Sie bleiben ungeklärt und die Verbrecher
ungestraft.
- Mai 2006: Mitglieder der Oppositionspartei SDF organisieren
zwei Parteitage, am selben Tag, in Jaunde und Bamenda. Der
international bekannte Rechtanwalt Bernard Achu
Muna fordert erneut Parteichef John Fru
Ndi heraus. Bewaffnete und fanatisierte Anhänger
des letzteres, teilweise extra aus Bamenda (400 Km entfernt)
eingereist, greifen die Teilnehmer des Parteitages von Jaunde
an. Ein Mensch, Gregoire Diboule wird bestialisch durch
Machettenschläge getötet, dutzende schwer verletzt.
Die Regierunspartei RDPC kann ihre Schadensfreude kaum verbergen.
Ermittlungen werden von der Justizbehörde aufgenommen.
22 Schläger werden verhaftet, einer
stirbt in Gefängnis, weil die Behandlungskosten
von ca. 300,- € nicht (rechtzeitig) aufgebracht werden
konnten. Wird je ein Prozeß stattfinden?
- 21. August 2006: der Student Narcisse Djomo Pokam geht
aus der erterlichen Wohnung, um einen kurz zuvor telefonisch
vereinbarten Termin wahrzunehmen. Einige Stunden später
fällt
er vom 8. Stock des Hilton Hotels von Jaunde
und stirbt grausam. Auf seinem Körper: Folterspuren,
die auf eine grausame und brutale Behandlung hinweisen.
- 5. September 2006: der Rentner Pétain Nnanga, in
seiner aktiven Zeit Oberst der kamerunischen Armee, wird
von zwei "Einbrechern" kaltblutig erschossen.
Ermittlungen wurden aufgenommen. Bis heute keine Ergebnisse.
- Eine 35 jährige Beamtin bekommt eine wichtige Beförderung
in Duala. Sie soll ein "saftiges" Amt
(= kamerunischer Ausdruck für Ämter, die gute
Einnahmen durch Korruption ermöglichen) übernehmen.
Sofort nach Amtübernahme fällt sie in Ohnmacht,
fängt an zu bluten und stribt einige Tage später.
Natürlicher Tod, heisst es offiziell.
- November 2006: eine regimekritische Journalistin bekommt
per Telefon Morddrohungen. Sie hatte in einer interaktiven
Radiosendung ihren Zuhörern ermöglicht, eine Bilanz
von 24 Jahren Amtszeit von Präsidenten Paul Biya zu
ziehen und ihren Frust zu äussern. Sie wird danach
in ihrer Wohnung von maskierten Männern überfallen,
misshandelt und in einer Grube liegen gelassen, weil die
Angreifer sie für Tod hielten. Das war ihr Glück.
Von den Tätern keine Spur. Straflosigkeit pur.
- Mehrere Journalisten wurden verhaftet, geschlagen, gefoltert.
Beispiele: Louis Blaise Ongolo von der Zeitung "La
Nouvelle Expression" wurde am 8. Oktober von fünf
Angehörigen der Polizei schwer geschlagen; Emmanuel
Atangana vom staatlichen Sender CRTV, überfallen in
seiner Wohnung; Jacques Dooh Bell von der Zeitung Le Messager,
angegriffen und misshandelt vor seiner Haus; Areta Mbango
vom Radiosender FM 105, ebenfalls vor seinem Haus überfallen;
usw.
- Es wurde im Namen des Staates gemordet, ohne jede legale
Grundlage. Von mächtigen Leuten, die über unbegrenzte
Macht verfügen. Beispielsweise auf dem Campus der Universität
Buea.
Wie im April und Mai 2005 wurden im Jahre 2006 mehrere Studenten
verletzt, erschossen. Von der Polizei. Selbstverständlich
kommen die Täter straffrei davon, werden straffrei
davon kommen.
- Auch von der sogenannten Volksjustiz fielen viele vermeintliche
Banditen zum Opfer. In Duala, Jaunde, Bafoussam, Garoua
wurden Menschen bei lebendigem Leib verbrannt, weil sie
unter blossem Verdacht standen, Banditen zu sein. Die Bürger
trauen dem Staat nicht mehr, also nehmen sie die Justiz
in den eigenen Händen. Mit allen grausamen Konzequenzen.
Das sind bei weitem nicht alle Menschenrechtsverletzungen
in Paul Biyas Kamerun. 2006 war zweifelsohne eine schlechte
Jahr für die Menschenrechte in diesem schönen Land.
2006 war das Jahr der Barbaren.
Die obige Liste ist nur ein Teil der kamerunischen
Wirklichkeit. Der Rechtsstaat gibt es nur für Reiche
und politisch Mächtige. Oder für schlaue Bürger,
die das Instrument der Korruption beherschen. Der sich im
Aufbau befindliche Rechtstaat ist dem Recht des Stärkeren
gewichen und hat damit einen schweren Rückschlag erlitten.
Eine Netzwerk skrupelloser Politiker, Beamte
und Wirtschaftsbosse haben faktisch die Macht übernommen
und verteidigen ihre Privilegien mit allen Mitteln. Fast alle
MAchtinstrumente des Staates (Polizei, Gendarmerie, Geld,
Justiz ...) sind in ihren Händen.
Für 2007 sind die Aussichten nicht gut.
Die lange Praxis der Strafreiheit und Straflosigkeit für
die Sicherheitskräfte wird bestimmt nicht so schnell
enden. Es sei denn eine Mobilisierung alle Partner des kamerunischen
Volkes, im In- und Ausland für Menschenrechte und Aufklärung
der vergangenen Vorfällen erreicht werden kann.
Die Kameruner selbst sind nicht optimistisch.
Viele glauben mit J.B. Siba, dass der Staat selbst das Problem
ist.
Nach seiner Auffassung bleibt Kamerun Ende
2006 ein Staat in dem es für den einfachen Bürger
keine Chance gibt, Recht zu bekommen oder in die Berufung
zu gehen wenn er Schutz und Hilfe von der Justiz braucht.
Sein Fazit: das Recht auf Leben bedeutet
in der Tat das Recht, nicht durch einen Befehl oder eine Genehmigung
der Verwaltungsbehörde getötet zu werden, es bedeutet
aber auch Schutz zum Lebenserhalt und zwar vom Staat. Leider
war 2006 das Morden die Standardlösung bei jedem Streit
zwischen Staatsapparat und Bürgern und zwischen Bürgern
untereinander. Und alles Straffrei.
Roufaou Oumarou
afrika-heute.de
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