«A people without the knowledge of their past history, origin and culture is like a tree without roots«
Marcus Garvey
«La liberté coûte très cher et il faut,
ou se résigner à vivre sans elle,
ou se décider à la payer son prix.«
José Marti

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Kamerun: 2006 war das Jahr der Barbaren
 

Es passiert meistens in den grossen Städten Duala, Jaunde, Bafoussan etc: Mord und Folter, Vergewaltigungen, gezielte Hinrichtungen politischer Gegner und Oppositionnellen, blutige Abrechnungen in aller Öffentlichkeit, Bandenkriege, rituelle Morde, Menschenrechtsverletzungen, Polizeigewalt. Alles Straffrei.

Der Journalist J.B Sipa von der Wochenzeitung Le Messager hat eine ernüchtende Bilanz gezogen. Kostprobe.

  • Ein junger Mann wird in Jaunde aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen. "Ob es sich um den Sohn eines Oberst der Armee, eines Ministers oder eines einfachen Arbeiters, was hat er in diesem Alter getan, um ein so brutales und finsteres Schicksal zu verdienen?" fragt sich J.B. Siba. Von den Tätern bis heute keine Spur. Es gab mehrere Hinrichtungen dieser Art in Kamerun. Sie bleiben ungeklärt und die Verbrecher ungestraft.
  • Mai 2006: Mitglieder der Oppositionspartei SDF organisieren zwei Parteitage, am selben Tag, in Jaunde und Bamenda. Der international bekannte Rechtanwalt Bernard Achu Muna fordert erneut Parteichef John Fru Ndi heraus. Bewaffnete und fanatisierte Anhänger des letzteres, teilweise extra aus Bamenda (400 Km entfernt) eingereist, greifen die Teilnehmer des Parteitages von Jaunde an. Ein Mensch, Gregoire Diboule wird bestialisch durch Machettenschläge getötet, dutzende schwer verletzt. Die Regierunspartei RDPC kann ihre Schadensfreude kaum verbergen. Ermittlungen werden von der Justizbehörde aufgenommen. 22 Schläger werden verhaftet, einer stirbt in Gefängnis, weil die Behandlungskosten von ca. 300,- € nicht (rechtzeitig) aufgebracht werden konnten. Wird je ein Prozeß stattfinden?
  • 21. August 2006: der Student Narcisse Djomo Pokam geht aus der erterlichen Wohnung, um einen kurz zuvor telefonisch vereinbarten Termin wahrzunehmen. Einige Stunden später fällt er vom 8. Stock des Hilton Hotels von Jaunde und stirbt grausam. Auf seinem Körper: Folterspuren, die auf eine grausame und brutale Behandlung hinweisen.
    Geschlagen, gefoltert, sodomisiert, 8 Etagen tiefer zum Tode gestoßen: warum? Was steckt hinter dem grausamen Mord? Wurde er rituel geopfert?
  • 5. September 2006: der Rentner Pétain Nnanga, in seiner aktiven Zeit Oberst der kamerunischen Armee, wird von zwei "Einbrechern" kaltblutig erschossen. Ermittlungen wurden aufgenommen. Bis heute keine Ergebnisse.
  • Eine 35 jährige Beamtin bekommt eine wichtige Beförderung in Duala. Sie soll ein "saftiges" Amt (= kamerunischer Ausdruck für Ämter, die gute Einnahmen durch Korruption ermöglichen) übernehmen. Sofort nach Amtübernahme fällt sie in Ohnmacht, fängt an zu bluten und stribt einige Tage später. Natürlicher Tod, heisst es offiziell.
    Ähnliche Fälle ereignen sich in Jaunde. Keine Spuren, keine Täter, selsame Todesfälle. Vergiftung? Schwarze Magie wie manche in Afrika glauben?
  • November 2006: eine regimekritische Journalistin bekommt per Telefon Morddrohungen. Sie hatte in einer interaktiven Radiosendung ihren Zuhörern ermöglicht, eine Bilanz von 24 Jahren Amtszeit von Präsidenten Paul Biya zu ziehen und ihren Frust zu äussern. Sie wird danach in ihrer Wohnung von maskierten Männern überfallen, misshandelt und in einer Grube liegen gelassen, weil die Angreifer sie für Tod hielten. Das war ihr Glück. Von den Tätern keine Spur. Straflosigkeit pur. "Gibt es noch das Recht auf Leben in einer Gesellschaft, in der das Töten so harmlos geworden ist?" fragt erneut J.B. Siba
  • Mehrere Journalisten wurden verhaftet, geschlagen, gefoltert. Beispiele: Louis Blaise Ongolo von der Zeitung "La Nouvelle Expression" wurde am 8. Oktober von fünf Angehörigen der Polizei schwer geschlagen; Emmanuel Atangana vom staatlichen Sender CRTV, überfallen in seiner Wohnung; Jacques Dooh Bell von der Zeitung Le Messager, angegriffen und misshandelt vor seiner Haus; Areta Mbango vom Radiosender FM 105, ebenfalls vor seinem Haus überfallen; usw.
    Nicht alle Angriffe werden von staatlichen Organisationen und/oder deren Angehörigen begangen, aber die Straflosigkeit, die erschrekend niedrige Aufklärungsquote machen Angst.
  • Es wurde im Namen des Staates gemordet, ohne jede legale Grundlage. Von mächtigen Leuten, die über unbegrenzte Macht verfügen. Beispielsweise auf dem Campus der Universität Buea. "um einfache Demonstrationen nicht bewaffneter Studenten unter Kontrolle zu bringen haben die Soldaten Paul Biyas sogar junge Frauen vergewaltigt, alles Dinge, die selbst im Krieg verboten sind. Diese Opfer werden nicht entschädigt. Und die Täter werden nicht bestraft." schreibt J.B. Siba
    Wie im April und Mai 2005 wurden im Jahre 2006 mehrere Studenten verletzt, erschossen. Von der Polizei. Selbstverständlich kommen die Täter straffrei davon, werden straffrei davon kommen.
  • Auch von der sogenannten Volksjustiz fielen viele vermeintliche Banditen zum Opfer. In Duala, Jaunde, Bafoussam, Garoua wurden Menschen bei lebendigem Leib verbrannt, weil sie unter blossem Verdacht standen, Banditen zu sein. Die Bürger trauen dem Staat nicht mehr, also nehmen sie die Justiz in den eigenen Händen. Mit allen grausamen Konzequenzen.

Das sind bei weitem nicht alle Menschenrechtsverletzungen in Paul Biyas Kamerun. 2006 war zweifelsohne eine schlechte Jahr für die Menschenrechte in diesem schönen Land.

2006 war das Jahr der Barbaren.

Die obige Liste ist nur ein Teil der kamerunischen Wirklichkeit. Der Rechtsstaat gibt es nur für Reiche und politisch Mächtige. Oder für schlaue Bürger, die das Instrument der Korruption beherschen. Der sich im Aufbau befindliche Rechtstaat ist dem Recht des Stärkeren gewichen und hat damit einen schweren Rückschlag erlitten.

Eine Netzwerk skrupelloser Politiker, Beamte und Wirtschaftsbosse haben faktisch die Macht übernommen und verteidigen ihre Privilegien mit allen Mitteln. Fast alle MAchtinstrumente des Staates (Polizei, Gendarmerie, Geld, Justiz ...) sind in ihren Händen.

Für 2007 sind die Aussichten nicht gut. Die lange Praxis der Strafreiheit und Straflosigkeit für die Sicherheitskräfte wird bestimmt nicht so schnell enden. Es sei denn eine Mobilisierung alle Partner des kamerunischen Volkes, im In- und Ausland für Menschenrechte und Aufklärung der vergangenen Vorfällen erreicht werden kann.

Die Kameruner selbst sind nicht optimistisch. Viele glauben mit J.B. Siba, dass der Staat selbst das Problem ist.

Nach seiner Auffassung bleibt Kamerun Ende 2006 ein Staat in dem es für den einfachen Bürger keine Chance gibt, Recht zu bekommen oder in die Berufung zu gehen wenn er Schutz und Hilfe von der Justiz braucht.

Sein Fazit: das Recht auf Leben bedeutet in der Tat das Recht, nicht durch einen Befehl oder eine Genehmigung der Verwaltungsbehörde getötet zu werden, es bedeutet aber auch Schutz zum Lebenserhalt und zwar vom Staat. Leider war 2006 das Morden die Standardlösung bei jedem Streit zwischen Staatsapparat und Bürgern und zwischen Bürgern untereinander. Und alles Straffrei.

Roufaou Oumarou
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